Restauriertes Kirchenfenster in der Grote Kerk, Edam (Niederlande) – Restaurierung 1920–1934
Restauriertes Bleifenster in der Grote Kerk in Edam (Niederlande) – Instandsetzung zwischen 1920 und 1934

Phase 1 – Zustandserfassung und Dokumentation

Bevor an einem historischen Fenster gearbeitet wird, steht eine gründliche Dokumentation: Fotografische Erfassung jedes Glasfeldes, Kartierung der Schäden (Sprünge, fehlende Scheiben, Verformungen, Kittproblem), Maßaufnahme und ggf. Rasterzeichnung. Bei Kirchenfenstern mit historischer Verglasung erstellen Restauratoren häufig eine fotografische Montagedokumentation, bei der jede Scheibe einzeln erfasst wird.

In Deutschland ist für Restaurierungsarbeiten an eingetragenen Kulturdenkmalen eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung (Baugenehmigung) der zuständigen Unteren Denkmalbehörde notwendig. Zuständig ist das jeweilige Landesamt für Denkmalpflege; in Bayern beispielsweise das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD), in NRW das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland.

Phase 2 – Reinigung

Historische Glasfenster weisen häufig Ablagerungen aus Ruß, Kalkausblühungen, Vogelexkrementen und biologischem Bewuchs auf. Die Reinigung erfolgt schonend:

  • Trockenreinigung: Weiche Haarpinsel, Haarpinsel mit Naturhaar, Druckluft (max. 0,5 bar) für erste Entstaubung.
  • Nassreinigung: Destilliertes Wasser mit milden, pH-neutralen Tensiden; Auftragen mit Schwämmchen, Abspülen mit destilliertem Wasser. Keine Hochdruckreinigung.
  • Mikrobiologischer Bewuchs: Algen und Moose werden mit Biozidlösungen (z. B. Preventol RI 80 in 1 %-Lösung) behandelt und nach Einwirkzeit mechanisch entfernt.

Bei bemalten Glasmalereifenstern ist äußerste Vorsicht geboten: Fehlerhaftes Brennen in der Vergangenheit oder mechanischer Abrieb kann die Malschicht gefährden. Reinigungsarbeiten an Glasmalerei sollten nur durch erfahrene Restauratoren erfolgen.

Phase 3 – Konsolidierung und Sicherung

Locker sitzende Glasstücke und gesprungene Scheiben werden gesichert, bevor sie durch Transporterschütterungen während der Ausbauphase vollends brechen. Methoden:

  • Cyclododecantreinfestigung: Lösung von Cyclododecan in Ethanol überbrückt Risse temporär; flüchtig nach Ausbau durch Sublimation.
  • Japanpapier und Paraloid B72: Beidseitiges Überkleben mit hauchdünnem japanischen Seidenpapier und Acrylharz hält gesprengte Scherben für den Transport zusammen.
  • Bleiruten-Stützstäbe: Vertikale Stabbewehrungen aus Edelstahl oder Messing verhindern weiteres Ausbeulen des Bleigeflechts.

Phase 4 – Neuverbleiung

Wenn mehr als ein Drittel des Bleigeflechts erneuerungsbedürftig ist oder sich das gesamte Fenster verformt hat, wird vollständige Neuverbleiung empfohlen. Das Fenster wird dazu ausgebaut, jede Scheibe einzeln herausgelöst, gereinigt und auf dem Arbeitstisch neu verbleit. Historische Bleiruten werden durch neue Ruten gleicher Profilform ersetzt; bei Denkmalen fordern Denkmalbehörden manchmal die Verwendung von handgerollten Bleiruten für authentische Optik.

Besonderheit: In Deutschland legt die VDL-Richtlinie (Verband der Deutschen Glasmalerei-Werkstätten, heute Bundesinnungsverband Glaserhandwerk) Standards für Neuverbleiung fest. Verwendetes Lötzinn muss bleifrei (z. B. Sn97Cu3 nach EN 29453) oder nach historischem Standard Sn/Pb 60/40 sein; dies wird je nach Anforderung der Behörde festgelegt.

Phase 5 – Schutzverglasung

Nach der Restaurierung wird in vielen Fällen eine Schutzverglasung außen vorgesetzt: Eine klare Einscheiben-Sicherheitsglastafel (ESG, 5–6 mm) in einem unauffälligen Edelstahlrahmen schützt das historische Fenster vor mechanischen Einwirkungen und verringert Witterungsbelastung. Zwischen Schutzverglasung und historischem Fenster ist ein Zwischenraum (Zuluftkaverne, ca. 30 mm) mit gesteuerter Hinterlüftung erforderlich, um Kondensation am kalten Original zu vermeiden.

Die Empfehlungen zum Einsatz von Schutzverglasungen sind im Dokument „Leitlinien für die Konservierung von Glasmalereien" des Deutschen Nationalkomitees des ICOMOS (2004) beschrieben.

Kosten und Fördermöglichkeiten

Restaurierungskosten für historische Bleiverglasungen variieren stark nach Zustand, Größe und Bildprogramm. Grob orientierend: Neuverbleiung ohne Glaserneuerung liegt bei ca. 500–1.500 €/m², Restaurierung mit Schutzverglasung bei 2.000–5.000 €/m² und mehr. Für eingetragene Kulturdenkmale können Zuschüsse beantragt werden: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bundesbehörde (Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste), Landesdenkmalämter sowie kirchliche Bauförderprogramme (z. B. Kirchensteuer-Fonds der Diözesen) kommen als Fördergeber in Frage.